Aftercare

Zu Beginn stehen für mich da viele Fragen: Was ist Aftercare? Braucht man Aftercare immer? Wer braucht denn Aftercare, dom oder sub? Ist Aftercare als eigene BDSM-Praktik zu betrachten? Ich sehe für euch mal genauer hin.

Was ist Aftercare?

Als Aftercare wird das Auffangen oder auch zurückholen aus einer Session bezeichnet. Eine Femdom-Session (natürlich auch andere Sessions) kann weit in die Seele reichen, starke Schmerzen verursachen oder jemanden an persönliche Grenzen bringen. Vielleicht werden versehentlich oder absichtlich auch Grenzen überschritten. All das kann Spuren hinterlassen und zu einem Drop down führen. Plötzlich fühlt man sich entfremdet, wie in ein Loch gefallen, schlechte Gefühle kommen hoch. Manchmal auch plötzliche Ablehnung oder sogar Hass. All das kann sein und braucht Raum und vor allem Fürsorge, um den Weg wieder zurück aus einer Session zu finden.


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Was passiert beim Aftercare?

Die Nachsorge oder Fürsorge die dann nötig ist folgt keinem speziellen Ritual. Jeder ist in jeder Situation anders. Möglicherweise braucht es ein kurzes bis hin zu stundenlangen Gesprächen. Vielleicht ist reden komplett falsch, sondern es wird nur das Auffangen in Form von Festhalten oder kuscheln benötigt. Manchmal ist Aftercare auch etwas das erst nach Stunden oder Tagen stattfindet, weil sich die Beteiligten erstmal über ihre Gefühle und das Erlebte klare werden müssen. Dinge sacken lassen wollen. Alles ist richtig und individuell.

Braucht man Aftercare immer?

JA, aus meiner Sicht braucht man Aftercare IMMER. Allerdings ist Aftercare manchmal auch sehr kurz mit einer einzigen Frage erledigt: „Geht es dir gut? Wie fühlst du dich?“… Wenn das nach einer Session im Ruhezustand mit „Ja, ich bin überglücklich!“ beantwortet wird, ist in diesem Fall das Aftercare gut. Ein Signal: „Wenn du reden willst, ich bin jederzeit für dich da!“ kann dann, eine Gesprächsbereitschaft noch signalisieren.

Aber natürlich gibt es nicht nur diese Situation sondern die viel wichtigere. Es fließen Tränen, vielleicht ist jemand verwirrt oder überwältigt von negativen Gefühlen. Dann ist ein Signal von „ich bin da!“ noch wichtiger.

Wer braucht Aftercare, sub oder dom?

Es ist tatsächlich so, dass BEIDE das brauchen können. Mir als dom ist ein Breakdown tatsächlich noch nicht passiert, aber dennoch gibt es auch das. BEIDE haben eine Fürsorgepflicht dem anderen Gegenüber, wobei ich schon klar die Pflicht mehr auf der Seite der dominanten Dame sehe, den sub in seiner Verletzllichkeit und seiner Hingabe aufzufangen.

Ist Aftercare als eigene BDSM-Praktik zu betrachten?

Manche sind schon so weit gegangen und haben Aftercare als BDSM-Praktik geadelt. So weit würde ich allerdings nicht gehen, bzw. wäre das für mich die falsche Sichtweise. Eine BDSM-Praktik kann ich ja einfach weg lassen, wenn ich sie nicht leiden kann. Aftercare ist aber nichts wo ich die Wahl habe. Es ist ein Pflicht die zur Session dazu gehört. Ja, sie kann sehr abgespeckt sein, aber es ist extrem wichtig über Erlebtes zu sprechen und Eindrücke zu reflektieren.

Wo könnten Probleme entstehen?

Nehmen wir ein Beispiel: Nach einer Session stellt sub für sich fest, dass ihm ein Element garnicht gefallen hat, ja sein Gedanke geht so weit, dass er sich von seiner Herrin übergangen fühlt. Am liebsten würde er ihr vorwerfen, sie sei unsachgemäß mit der Praktik umgegangen. Eine schwierige Situation die Feingefühl erfordert. Ich weiß es ist schwer als Untergebener seine Herrschaft zu kritisieren oder vielleicht sogar mit seiner Kritik zu verletzen. Dennoch braucht es in der Aftercare einen Raum in dem Sorgen und Nöte möglichst sachlich und vorwurfsfrei geäußert werden können und auch müssen. Nicht jedes Gefühl und jede Tagesform kann von der Herrin erahnt werden. Sie ist ja schließlich keine Hellseherin. UND NIEMAND ist unfehlbar. Natürlich wäre es wünschenswert, wenn eine Herrin ALLES weiß. Aber möglicherweise hält sie z.B. den Plug falsch oder könnte ihn in einem besseren Winkel einführen. Aber woher soll sie das denn wissen, wenn es der sub nie äußert?

TIPP: Nach einer Session kann ganz klar geäußert werden: „Ist alles ok mit dir? Wie fühlst du dich? Du darfst und sollst jetzt offen und ehrlich deine Gefühle äußern. Schafft einen vertrauten entspannten Rahmen in dem beide ihre Gefühle reflektieren können. Das ist auch eine ganz große Chance für beide sich in ihrem Handeln weiter zu entwickeln.

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